Archiv: 1915-08

Brief: Balâtre, den 1. August 1915

… Dass ich so lange nichts von mir hören ließ, hat seine Ursache darin, dass ich seit dem 26.7. nach hier bis auf weiteres kommandiert bin zwecks Herstellung von Unterkunftsräumen und Ställen für Mannschaften und Pferde. Und war dies die ersten Tage so ’ne Jagd, dass ich überhaupt nicht zum Schreiben kam. Dies sind alles so Sachen, die bei uns immer wieder mal vorkommen, drum nur nicht gleich immer Gedanken gemacht, wenn die Post mal nicht regelmäßig kommt. In dieser Beziehung ist’s vorne in Stellung am allerbesten, hat man meistens bei Tag immer etwas geregelt Zeit zum Schreiben. Balâtre liegt etwa 1 1/4 Wegestunden noch hinter Roye und ist ja in mancher Beziehung bedeutend besser als vorne. Vor allem ist man hier aus der Feuerzone. Trotzdem wollte ich ja nicht hierher, bin lieber bei der großen Familie vorne. Dieses Geschäft bin ich ja schon lange recht satt, aber was ist da zu machen. Kopf hoch, Parole heißt aushalten. Heute ist nun schon ein Jahr verstrichen seit der Mobilmachung und der Schluss Wann und Wie??? ….. Haben die letzten Tage wieder schönes Erntewetter. Hier ist ringsum alles im Betrieb mit Feldarbeiten schon für die nächste Aussaat. Sogar gefangene Russen in letzter Zeit bis dicht hinter die Front zum Arbeiten. Sonderbares Gefühl im Lande ihrer Bundesgenossen als deutsche Kriegsgefangene arbeiten zu müssen. Fühlen sich aber ganz wohl dabei.

Brief: Balâtre, den 12. August 1915

… hat mir mein Nachtessen des Abends noch mal so gut geschmeckt wenngleich es diesen Abend sehr frugal war: Trocken Brot, 1 Becher schwarzer Kaffee, 1 Stück trocknen Käse und 1 rohe Zwiebel, allerhand was? Im großen Ganzen haben wir nur gute Verpflegung, können mit zufrieden sein. Sitze eben hier im Pferdestall wo wir am arbeiten sind und uns auch häuslich niedergelassen haben und der Gaul wehrt mir mit dem Schwanz die Mücken, denn die gibt’s hier massenhaft. Wenn der Tag rum ist, will man auch sehen was gearbeitet worden ist. Alles für 53 Pfennig.