Archiv: 1915-01

Briefauszug Frankfurt, den 6. Januar 1915

… Steh ich in finstrer Mitternacht so einsam auf der stillen Wacht kann ich auch heute wieder singen, das erstemal wieder seit 6 1/2 Jahren. Bin nämlich als Posten auf Zeppelinwache, jetzt gehts wieder los. Wir wurden am Montag wieder untersucht und ich als Garnisonsdienstfähig befunden. Wollten mich sogar felddienstfähig machen, wogegen ich mich natürlich sehr wehrte, denn 40 Mann von unsrer Komp. gehen diese Woche -wahrscheinlich Samstag- wieder fort.

Mache nun seit Dienstag wieder Dienst. Werde dann auch wahrscheinlich übernächsten Transport mit müssen, läßt sich leider nix dran machen. Müssen noch andere Leute mit raus, die viel schlechter dran sind als ich Ich weis garnicht wie verschiedene Leute ein Glück damit (mit der Musterung) haben, die leichter weggekommen sind als ich. Hier in Frankfurt täten sie am liebsten gleich wieder alle Krüppel ins Feld schicken.

Heute war auch Dreikönigstag, hier nix von gemerkt; ist mittlerweile ja schon rum, haben schon 1/4 nach 12, um 3 Uhr muss ich wieder auf Posten bis 5. Sind hier mit 37 Mann auf Wache heißts etwas aufgepaßt. Bin von jetzt ab alle 2. oder 3. Nacht auf Posten, da weiß ich auch was schöner ist

Tagebuch 23.1.1915

Samstag Morgen 9 ½ Uhr unter Musikklängen Abmarsch vom Kasernenhof Frank-
furt in Stärke von 130 Mann vom Regt.. Abfahrt 10:05 vom Hauptbahnhof nach Gießen wo wir 12:00 waren und beköstigt wurden. Dann gings weiter über Wetzlar, Dillenburg, Haiger, Betzdorf, Au, Eitorf, Siegburg, Troisdorf, kamen 6:00 in Cöln an. Erhielten dort auch was Warmes an der Kriegsfürsorge. Fuhren 7:08 von Köln ab über Düren, Stolberg, Aachen, Herbestal nach Lüttich.

Tagebuch 24.1.1915

Durch Belgien fuhren wir des Nachts über Lüttich, waren 4 ½ nachts in Namur-Son-
net, wo wir auch beköstigt wurden. Es ging weiter nach Jeumont, erhielten dort 9 ½ Uhr morgens wieder Essen, dann gings weiter über die Grenze nach Frankreich über Maubeuge, Busigny bis nach Ternier, wo wir mittags 3:00 Uhr ankamen. Erhielten hier Kaffee, Brod und Speck, dann zweigte sich unser Transport wieder seitwärts ab und fuhren nach Neßle, wo wir 9:00 abends ankamen. Wurden des Abends dort noch einquartiert in ein leeres Haus, wo wir des Nachts auf Stroh schliefen.

Tagebuch 25.1.1915

Des Morgens 7 Uhr geweckt, in Neßle verköstigt, um 9 Uhr abmarschiert nach Carrépuis. Wurden dort dem 3ten Bataillon überwiesen, aber weil dieses momentan in Stellung lag, vorläufig der 1 sten Comp. zugeteilt in das Gehöft Waucourt. 3 ½ Uhr mittags wieder weg von dort nach Carrépuis. Haben uns dann dort in provisorischen Baracken für die Nacht häuslich niedergelassen. Mauerte eben einen Ofen mit Ziegelsteinen und Erde, welcher uns für die Nacht vorzüglich zu statten kam, da wir der Witterung halber dauernd das Feuer unterhielten. Abends kam noch Bruder Peter von Roye herrüber und feierten wir Wiedersehn bei Kaffee und Punsch bis spät in die Nacht hinein.

Tagebuch 26.1.1915

Des Morgens mussten wir unsere gemütliche Villa wieder verlassen und begaben uns
zur 10/81 nach Gehöft Waucourt, welche mittlerweile die Stellung verlassen und dort einquartiert war. Wurde mit Gefr. Launhardt der 4ten Korporalschaft zugeteilt. Den Tag über nix besonderes.